Tuesday, 9 September 2014

Schottland 1:0 Vereinigtes Königreich - egal wie der Volksentscheid ausfällt

Es ist kaum zu glauben. Erst jetzt, neun Tage vor dem wichtigen Volksentscheid zur Unabhängigkeit Schottlands, wacht England auf. Zum ersten Mal ist man sich bewusst dass Schottlands Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich wirklich möglich ist.



Egal wie die Entscheidung fällt, Schottland ist immer der Gewinner. Das Land bekommt auf jeden Fall eine größere Entscheidungsfähigkeit über seine eigene Finanzen, Wirtschaft und Regierung. Der Rest des Vereinigten Königreiches, und das bedeutet hauptsächlich England, wird viel härter von den Konsequenzen betroffen.

Wirtschaftlich sieht man das jetzt schon im Rückzug von Investoren wie Japans größte Bank, Nomura. Auch einheimische Banken wie die Royal Bank of Scotland überlegen ob es nötig ist ihren Hauptsitz aus Schottland nach England zu verlegen. Die Londoner Regierung warnt davor, dass sie nicht das Pfund in Schottland unterstützen würde. Es ist auch nicht gewiss in wie weit die Schotten ihren Anteil an den Staatsschulden annehmen würden bei Unabhängigkeit.

Politisch wird es sehr brisant, denn es gibt nationale Wahlen in Großbritannien bevor der Tag eines möglichen Abgangs Schottlands festgesetzt ist. Die Labour Party (Mitte Links) könnte die nächsten Wahlen mithilfe der jetzigen, hauptsächlich schottischen, Abgeordneten gewinnen um dann, nach Schottlands Unabhängigkeit, auf einmal sich in eine Minderheitspartei zu wandeln. Unsere Rolle auf der internationalen Bühne würde auch einen dramatischen Rückgang verspüren.

Die Position von Premierminister Cameron ist auch sehr interessant. Einerseits argumentiert er für eine größere Unabhängigkeit Großbritanniens vom Rest Europas. Andererseits argumentiert er für die Vorteile einer nahen Zusammenarbeit zwischen den Ländern im Vereinigten Königreich. Und wenn Schottland abgeht dann wird sein Name auf Ewigkeit in die Geschichtsbücher eingetragen, als der Premierminister der den Zusammenbruch des Vereinigten Königreiches übersah.

Die Königin Elizabeth II hat schroff eine Einmischung in die Debatte abgewiesen. Sehr verständlich, denn es waren ihre Vorfahren die die für ursprüngliche Vereinigung zwischen den Königshäusern von England und Schottland plädierten. Vermutlich, wenn es hart auf hart geht, möchte sie auch Königin von Schottland bleiben und nicht den schottischen Republikanern zusätzliches Material zur Abschaffung des Königshauses in dem Land schenken.

Und unsere schöne, bunte Fahne müsste möglicherweise durch eine andere ersetzt werden.

Sollte man also den britischen Markt vorerst vermeiden, bis sich die Unsicherheit sich gelegt hat?

Nein.

Auch wenn die Schotten wirklich ihre Unabhängigkeit erlangen, es verbleiben noch 65 Millionen mögliche Kunden in einem Markt der knappe 10 % seiner Wirtschaft in den Norden verloren hat. Es wird immer Markt und Wachstumschancen geben auf dem britischen Festland - mit England, Wales, Nord Irland und Schottland.

3 comments:

Colin Perry said...
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Colin Perry said...

Überraschend für mich ist, wie viele wichtige Fragen zur eventuellen Ünabhängigkeit Schottlands noch ungeklärt bleiben z.B. Währung, Grenzkontrolle usw.

Stimmt, auch wenn die Schotten die vollständige Unabhängigkeit ablehnen, wird Schottland noch mehr Selbständigkeit gewinnen, und sich also einigermaßen vom restlichen Königreich trennen.

Und es sieht so aus, dass die Meinungen in Schottland sehr gespaltet sind. Alles in allem scheint das Vereinigte Königreich zur Zeit gar nicht so vereinigt.

Chris Thomas said...

GB ist leider von London dominiert. Dieser Volksentscheid wird hoffentlich die Westminster Elite daran erinnern, dass es auch andere Regionen und Länder im Staat gibt.

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