Wednesday, 8 July 2015

Mein Treffen mit Dame Evelyn Glennie

Wenn der Gedanke „Was soll ich anziehen?“ durch meine Gedanken huscht, dann merkt man wie wichtig dieses Treffen für mich war, bin ich doch sonst ganz leger. „Ist sie eine Diva?“ war eine andere Sorge – denn sie ist Dame Evelyn Glennie, neuerdings Gewinner des Polar Musik Preis. Am meisten ging aber die Ermahnung durch mein Kopf „Sie heißt E – VE –Lin, nicht ieh-Vlin!“

Wie kam es zu diesem Treffen? Autorin Brenda Gillian (“Maiseerola and the Purple Sweets”, ein Kinderbuch aus unserem Verlag (see http://miltoncontact.co.uk/maiseerola) ist Geschäftsberater für Evelyn Glennie. Sie lud mich zu einem ‚Brainstorming‘ Treffen mit Team Glennie ein.

Ihr warmer Willkommensgruß und freundliches Lächeln beseitigten meine Sorgen. Hier war jemand der nicht auf einem Podest über uns ragte, sondern eher die Fläche als nützlichen Ruheplatz für eine Trommel in ihrem Zimmer benutzen würde.

Unsere weitschweifende Diskussion drehte Sich um Evelyns Nachlass. Auf langer Sicht ist ihr Ziel ein Zentrum rundum dem Klang, übergreifend auf diverse Aspekte des menschlichen Lebens. Sie ist nicht ‚nur‘ eine weltberühmte Perkussionistin, die diese Rolle als Soloist erfunden und erobert hat. Evelyn ist auch eine inspirierende Rednerin (TED Talk, Polar Preis Rede); sie begeistert Schulen und Schüler; Sie komponiert und ist selber in Film und Ton verewigt. Ihre Sicht schweift in einem breiteren Blick in die Zukunft.

Als erster Schritt hat Evelyn entschlossen dass sie die Welt selber als Zuhörer, als Lauscher in unseren Welten erforschen will. Ob zu Hause in Großbritannien oder auf ihre weltweiten Auftritte; geplant sind Gespräche mit Virtuosen, Experten, Prominenten und auch Menschen wie wir. Sie will erfahren wie und wann das Zuhören (Listening) für uns lebensverändernd ist.

Jedes Gespräch kommt zu seinem natürlichen Ende. Nach stundenlanger lebhafter Debatte, neuen Ideen und möglichen Lösungen setze eine Stille ein.

„Darf Ich um einen Gefallen bitten?“ Evelyn schaute mich mit leichter Besorgnis an nach meiner Frage, mit Berechtigung. Nachdem ich meine Idee für ein Bild erläuterte, zwinkerten ihre Augen. Kurz danach kniete Teamkollege  Adam auf einem Stuhl in etwas ungemütlichere Lage für die beigefügten Bilder. Alles lief reibungsfrei – bis Adam eine unpassende Bemerkung von sich gab und wir alle in helles Gelächter ausbrachen – siehe letztes Bild.


„Das ist also Evelyn Glennie!“ dachte ich, als ich mich auf dem Heimweg machte: Virtuosin; inspirierendes Vorbild; Mensch.

Tuesday, 23 September 2014

Unternehmerdelegation nach Großbritannien: Neue Märkte erkunden

Beispiel Potsdam Green Ventures.

Als Geschäftsführer einer KMU werden sie gelegentlich einen Punkt erreichen wo ihr Blick vom alltäglichen Markt innerhalb Deutschlands ein bisschen weiter zum Horizont und über die Landesgrenzen schwebt. Vielleicht ist ihr Produkt sehr erfolgreich im deutschen Sprachraum. Oder der örtliche Markt ist gesättigt und die Konkurrenz wächst und drückt ihren Profit. Auf jedem Fall ergibt sich die Frage „wie stehen die Chancen in einem neuen Markt?“



Der einfachste und kostengünstigste Weg sich zu erkundigen ist die Teilnahme an einer Delegationsreise ins Zielland.

Ich bin vor kurzem von so einer Delegation zurückgekehrt. Aber nicht als Deutscher, sondern als Brite der bei eine solchen Delegation aus Deutschland Hilfe leistete.

In diesem Fall kam die Delegation nach Großbritannien hauptsächlich aus der Brandenburger Gegend. Sie wurde von der IHK Potsdam organisiert und durch die britische Firma Europartnerships im Zielland betreut.

Die meisten Delegationsreisen haben einen Schwerpunkt. In diesem Falle war es Cleantech, alles um Recycling und erneuerbare Technologie.

Die IHK in Potsdam bemühte sich ein interessantes Gemisch aus verschiedenen Firmen und Experten aufzubauen, im ganzen ca. 14 Personen im Cleantech Bereich. Die Firmen stellen sich weiter unten selber vor.

Die Aufgabe des britischen Partners war geeignete Kontakte und auch relevante Ausflüge in Großbritannien zu finden. Europartnerships sorgte auch dafür, dass es eine entsprechende Begleitung und Sprachhilfe während des Aufenthalts im Land gab. Dazu wurde ich zum Beispiel, als etablierter Europartnerships Partner und Brite mit Deutschkenntnissen, mit einbezogen.

Es wurde ein dreitägiges Programm angeboten. An jedem Tag befanden wir uns in einer anderen Stadt: London, Cambridge, und Birmingham. In London und Cambridge gab es Präsentationen und Geschäftstreffen am Vormittag und dann Ausflüge am Nachmittag. Im diesen Fall waren es Besuche von großen Recyclinganlagen. In ihrem Fachbereich wird man dann entsprechende Ortsbesuche vereinbaren.

In Birmingham gab es eine große Energiemesse. Wir hatten Räumlichkeiten auf dem Messegelände gemietet, mit Tischen wo man sich mit britischen Partnern treffen konnte. Sonst konnte man weitere Kontakte auf der Messe selber verknüpfen.

Es gibt hauptsächlich drei Vorteile bei der Teilnahme an einer Delegationsreise:

1. Die ganze Vorbereitung, Kontaktsuche und Begleitung wird von anderen für Sie organisiert.

2. Sie erleben aus erster Hand wie ihr Markt in einem anderen Land funktioniert.

3. Sie erweitern ihre Kontakte und Kenntnisse von ihrem deutschen Markt anhand ihrer mitreisenden Partner.

Allerdings hatte Jack Nicholson völlig recht, im Stanley Kubrik Film „Shining“, als er mit der Axt in der Hand ausrief „All work and no play makes Jack a dull boy“ (Immer nur Arbeit und keine Spielerei macht Jack zum langweiligen Gefährten).

Eine gute Delegationsreise gibt Ihnen deshalb auch die Gelegenheit etwas von Land und Leuten zu sehen. Bei uns waren es dann abendliche Spaziergänge mit Führung, gefolgt von einem guten Essen in einem Pub oder Restaurant!

Natürlich hilft es bei der Reise nach Großbritannien wenn man etwas Englisch spricht. Aber auch wenn es nur radebrechend ist, bedenken Sie das nur 0,05 % von Briten überhaupt Deutsch können! Egal ob sie Englisch sprechen oder nicht, eine Sprachbegleitung ist immer nützlich bei Geschäftstreffen, es hilft nicht nur mit der sprachlichen Kommunikation. Ich kann zum Beispiel als Brite die subtileren Eindrücke und Signale für meine deutschen Partner interpretieren.

Also, zusammengefasst: es lohnt sich an einer Delegationsreise ins Ausland teilzunehmen, die von ihrer IHK organisiert wird. Sie werden eine Einsicht in den neuen Markt bekommen; vielleicht sogar praktische Kontakte knüpfen; ihr Netzwerk in Deutschland erweitern und etwas von Land und Leuten sehen. Wenn sie dann zu ihrer Firma und Arbeit zurückkehren haben sie einen anderen Überblick.

Nun zu dieser Delegation aus Brandenburg. Ich hatte ihnen versprochen dass sie sich selber vorstellen könnten. Klicken Sie einfach auf den Namen der Teilnehmer um meine spontanen Interviews mit den Teilnehmern auf YouTube zu sehen.

Antje Vargas & Marius Vargas, GeoClimaDesign: Fritz Pressel, DGAW; Fritz Reusswig, PIK; Jens Bahnemann und Nico Rothaeuser, Richter Recycling; Lutz Grundmann, Callparts Recycling; i-save Energy; Olivia Liebert, Green Ventures/IHK; Peter und Simone Heydenbluth, ERV; Roman Dinslage, INTECUS; Torsten Stehr, ETI/Green Ventures/IHK; Tristan Kretschmer, McPhy Energy; Mark Dodsworth, Europartnerships; Mike Woollacott, Greenwatt; Chris Thomas, Milton Contact Ltd.

Aus persönlicher Sicht: Jede Delegation hat ihren eigenen Charakter. Bei dieser Delegation muss ich sagen dass sie sich voll dem britischen Charakter angepasst hat, mit ihrem Humor, ihre Gelassenheit und positive Einstellung zur Reise nach Großbritannien.

Related links to articles, photo albums and videos:

Day 1 – London: Green Ventured Mission to the UK.
Day 2 – Cambridge: Green Ventures Mission to the UK.
Day 3 – Birmingham: Green Ventures Mission to the UK.
The Delegation - Green Ventures Mission to the UK.
Recycling waste in the UK - Green Ventures Mission to the UK.
Unternehmerdelegation nach Großbritannien: Neue Märkte erkunden. Beispiel Potsdam Green Ventures.
Online Photoalbum of Green Ventures – Mission to the UK
Interviews with delegates and helpers at Green Ventures – Mission to the UK

Tuesday, 9 September 2014

Schottland 1:0 Vereinigtes Königreich - egal wie der Volksentscheid ausfällt

Es ist kaum zu glauben. Erst jetzt, neun Tage vor dem wichtigen Volksentscheid zur Unabhängigkeit Schottlands, wacht England auf. Zum ersten Mal ist man sich bewusst dass Schottlands Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich wirklich möglich ist.



Egal wie die Entscheidung fällt, Schottland ist immer der Gewinner. Das Land bekommt auf jeden Fall eine größere Entscheidungsfähigkeit über seine eigene Finanzen, Wirtschaft und Regierung. Der Rest des Vereinigten Königreiches, und das bedeutet hauptsächlich England, wird viel härter von den Konsequenzen betroffen.

Wirtschaftlich sieht man das jetzt schon im Rückzug von Investoren wie Japans größte Bank, Nomura. Auch einheimische Banken wie die Royal Bank of Scotland überlegen ob es nötig ist ihren Hauptsitz aus Schottland nach England zu verlegen. Die Londoner Regierung warnt davor, dass sie nicht das Pfund in Schottland unterstützen würde. Es ist auch nicht gewiss in wie weit die Schotten ihren Anteil an den Staatsschulden annehmen würden bei Unabhängigkeit.

Politisch wird es sehr brisant, denn es gibt nationale Wahlen in Großbritannien bevor der Tag eines möglichen Abgangs Schottlands festgesetzt ist. Die Labour Party (Mitte Links) könnte die nächsten Wahlen mithilfe der jetzigen, hauptsächlich schottischen, Abgeordneten gewinnen um dann, nach Schottlands Unabhängigkeit, auf einmal sich in eine Minderheitspartei zu wandeln. Unsere Rolle auf der internationalen Bühne würde auch einen dramatischen Rückgang verspüren.

Die Position von Premierminister Cameron ist auch sehr interessant. Einerseits argumentiert er für eine größere Unabhängigkeit Großbritanniens vom Rest Europas. Andererseits argumentiert er für die Vorteile einer nahen Zusammenarbeit zwischen den Ländern im Vereinigten Königreich. Und wenn Schottland abgeht dann wird sein Name auf Ewigkeit in die Geschichtsbücher eingetragen, als der Premierminister der den Zusammenbruch des Vereinigten Königreiches übersah.

Die Königin Elizabeth II hat schroff eine Einmischung in die Debatte abgewiesen. Sehr verständlich, denn es waren ihre Vorfahren die die für ursprüngliche Vereinigung zwischen den Königshäusern von England und Schottland plädierten. Vermutlich, wenn es hart auf hart geht, möchte sie auch Königin von Schottland bleiben und nicht den schottischen Republikanern zusätzliches Material zur Abschaffung des Königshauses in dem Land schenken.

Und unsere schöne, bunte Fahne müsste möglicherweise durch eine andere ersetzt werden.

Sollte man also den britischen Markt vorerst vermeiden, bis sich die Unsicherheit sich gelegt hat?

Nein.

Auch wenn die Schotten wirklich ihre Unabhängigkeit erlangen, es verbleiben noch 65 Millionen mögliche Kunden in einem Markt der knappe 10 % seiner Wirtschaft in den Norden verloren hat. Es wird immer Markt und Wachstumschancen geben auf dem britischen Festland - mit England, Wales, Nord Irland und Schottland.

Thursday, 28 August 2014

Alternatives Sommerliches Netzwerken mit Kuchen

Ich muss gestehen, dass Kuchen immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist. Als wir uns vor einigen Wochen beim Huntingdonshire Business Network trafen, kam wieder einer meiner Kolleginnen, Ruth Ekblom (Proofreader) zu kurz beim Kaffee. Sie hat nämlich eine Gluten Intoleranz und konnte deshalb nur begrenzt die dargebotenen Kekse genießen. Brian Williamson (Inheritance Protect) bemerkte dass er noch nie glutenfreies Essen genossen hat. Entschlossen lud uns Ruth zu einem Gluten freien Tee und Kuchen ein.
Ein Teil des Gedecks

Zum Glück hatte ich in Vorbereitung nur ein leichtes Mittagessen genossen bevor ich dann in der nächsten Woche zum Termin bei Ruth antrat. Sie hatte eigenhändig mindestens neun verschiedene Gluten freie Kuchen, Kekse und dann auch noch Sonnenblumenkernbrot gebacken. Schauen Sie sich einfach die Bildergalerie an!(https://picasaweb.google.com/107595387761034666575/RuthsGlutenFreeTea)

Wir waren nur zu fünft und arbeiteten uns genüsslich durch das Sortiment bis wir fast platzten. Sogar Brian musste gestehen dass man gut Gluten frei essen kann.

Mervyn Foster (Nordic Walking) bietet für uns die Gelegenheit wieder einige von den Kalorien abzuarbeiten. Am gleichen Spätnachmittag gab es nämlich sein sommerliches „Netwalking“. Netwalking ist Geschäftsnetzwerken beim Spaziergang durch die Landschaft in Cambridgeshire. Wir trafen uns wieder in dem kleinen Dorf von Fenstanton mit weiteren Geschäftsfreunden und wanderten für 1 Stunde über Feld und Flur, am Fluss vorbei (die Ouse) und dann zurück zum Pub. Diese Bildergalerie finden Sie hier: https://picasaweb.google.com/107595387761034666575/AugustNetwalking

 Sommerliches Netwalking

Thursday, 31 July 2014

Vereinigtes Königreich, Commonwealth Spiele und EU

Kaum haben wir die Fußball-Weltmeisterschaft hinter uns und die Tour de France, da kommen die Commonwealth Games in Glasgow. Falls Sie sich nicht sicher sind was das Commonwealth ist, stehen sie nicht alleine da, denn viele Briten sind sich auch nicht so sicher!

Das Commonwealth entstand als die ehemaligen britischen Kolonien ihre Unabhängigkeit erhielten. Insgesamt 53 Länder gehören nun dazu, umfassen ein Viertel der Welt und fast ein Drittel der Bevölkerung. Es sind einfach Länder die durch Sprache Geschichte und Kultur verbunden sind, mit einem gemeinsamen Interesse an Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit. Auf politischer Ebene treffen sich die Staatsoberhäupter alle zwei Jahre für einen Gedankenaustausch.

Die Queen gilt als Symbolisches Oberhaupt des Commonwealth. Sie ist zudem auch noch Königin von einigen Ländern wie Großbritannien, Kanada, Australien und Barbados (The Realms). Manche Mitglieder haben ihr eigenes königliches Haus und viele sind Republikaner mit einem gewählten Präsidenten.



Export und Import zwischen dem Vereinigtem Königreich und dem Commonwealth Ländern

Die erste Tabelle oben zeigt den Export und Import von Großbritannien mit Commonwealth Ländern. Man sieht ganz deutlich wie sich, mit dem Abbau der Kolonialherrschaft, der wirtschaftliche Verkehr mit den ehemaligen Kolonien verringerte. Erst in den letzten Jahrzehnt Winter wieder an zu steigen.

Die folgende Tabelle gibt einen Einblick zum Wachstum des britischen Exports. Osteuropa, Afrika und Asien sind die wachsenden Märkte.

Export-Wachstum zwischen dem VK und Regionen weltweit


Für die meisten von uns liegt bei weitem das größte Interesse an den Commonwealth Games, die alle vier Jahre stattfinden. Wie immer entgegnet man bei den Berichten neue Bezeichnungen. Zum Beispiel der Begriff „Home Countries oder Home Nations“. Das sind die Nationen England, Schottland, Wales und Nordirland. Die Home Nations sind nicht mit den „Home Counties“ zu verwechseln, sie sind die Länder/Bezirke rings um London die den wirtschaftlich am reichsten Teil Großbritanniens bilden.

Der rechte, Euro skeptischer Flügel in Großbritannien sehnt sich nach einer Trennung von der EU und blickt zu den Aufbau eines Wirtschaftskreises innerhalb des Commonwealth. Zurzeit darf nämlich das Vereinigte Königreich keine unabhängigen Verträge mit anderen Commonwealth Ländern aufnehmen. Dies muss alles durch die EU geschehen. Zum Beispiel wird gerade zwischen Kanada und der EU gehandelt.

Doch im Moment erscheint es unwichtig, denn bei den jetzigen Spielen hat ein Engländer einen großen Vorteil. Wenn seine Mannschaft nicht gewinnt, kann er noch als Brite den anderen Home Nation Teilnehmern zu jubeln.

PS. Das von uns verlegte Buch „Dear Ruth“ handelt von den Erlebnissen einer Frau die Ende der sechziger - Anfang der siebziger Jahre noch als Mitglied der Kolonialadministration nach Afrika zog und ihr Herz an den Kontinent verlor. http://miltoncontact.co.uk/ruth.

Wednesday, 23 July 2014

Wenn englischer Humor den Deutschen begegnet

Der folgende Briefaustausch war einer der Höhepunkte meiner Woche. Englischer Humor wurde mit deutschem Humor beantwortet. Ich schrieb:




"Sehr geehrter Herr Scherer,

Ich besuchte heute Ihre Internetseite zu den Länderschwerpunkten der IHK bundesweit (http://www.info-weltweit.de/) und stellte mit Bestürzung fest, dass das Vereinigte Königreich merkwürdigerweise dort nicht vertreten war.

Da wir momentan einem Wirtschaftswachstum von über 2,8 % genießen und drittgrößter Exportpartner der Bundesrepublik sind, fragte ich mich was der Grund für unsere Abwesenheit sein könnte.

Es kamen dabei recht schnell eine Anzahl von Möglichkeiten in den Vordergrund. Vielleicht können Sie auf die passende Antwort hinweisen:
  1. Geschäfte mit dem Vereinigten Königreich sind derart selbstverständlich, dass sie keine Erwähnung bedürfen.
  2. Premierminister Cameron hat seine europäischen Kollegen derart vergrämt, dass sie das ganze Land ausgeschlossen haben.
  3. Das britische Wetter ist einfach zu regnerisch (erklärt auch warum Irland nicht in Ihrer Liste ist).
  4. Unser Bier.
  5. Sie meinen, dass so nahe an der Fußballweltmeisterschaft es vielleicht diplomatischer wäre den Kontakt vorerst abzuwarten.
  6. Man ist beleidigt, dass William, Kate und George den halben Globus umreisen um Australien zu besuchen, wobei Deutschland einfach ein Katzensprung über den Kanal entfernt ist.
  7. In Anbetracht unserer legendären Höflichkeit haben sie sich angepasst und anstatt sich hervorzuheben, warten sie auf einer Einladung uns zu besuchen.

Ich hoffe Sie haben diesen Brief mit einem entsprechenden schmunzeln gelesen und mir dabei auch für die gelegentlichen Schnitzer mit der deutschen Rechtschreibung und Sprache vergeben.

Ich freue mich auf eine baldige Antwort.

Mit freundlichen Grüßen aus einem ungewöhnlich sonnigen warmen Cambridge,

Chris Thomas

Dr Chris Thomas, Director, Milton Contact Ltd"

Die Antwort kam schon am nächsten Tag:

"Sehr geehrter Herr Dr. Thomas,

an dieser Stelle schreibe ich üblicherweise, dass ich mich sehr über die Anfrage / Anmerkung / Reaktion zu unserer Website gefreut habe. Das stimmt natürlich immer, aber sehr selten war dies so vollumfänglich richtig, wie bei Ihrer Anfrage.

Wie Sie wissen, beneiden wir Deutsche unsere englischen Freunde nicht nur für deren ausgesprochen hinreißenden Humor, sondern auch für die nahezu allgegenwärtige aristokratische Höflichkeit und Bescheidenheit. In diesem Zusammenhang ehrt es Sie, sieben potentielle englische Eigenheiten aufzuzählen, die natürlich ebenso charmant wie klischeehaft das Vereinigte Königreich beschreiben. Es wäre für mich aber ein Leichtes, Ihnen mit mindestens 70 deutschen Eigenheiten zu antworten, die ebenso zu hinterfragen wären.

Aber wenn Sie schon die Fußballweltmeisterschaft ansprechen. Ich persönlich finde, dass man bei aller Kritik an der englischen Mannschaft, das hochverdiente Unentschieden gegen Costa Rica nicht vergessen darf.

Nun aber zu Ihrer Anfrage. Sie haben recht, tatsächlich ist es so, dass das Vereinigte Königreich nicht als bundesweiter Schwerpunkt von einer IHK besetzt wird. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass die IHK-Organisation nicht über Ihr Land berät, Veranstaltungen organisiert oder ähnlich tolle Dinge anbietet. Im Gegenteil. Alle 80 deutschen IHKs betreuen eigenverantwortlich Ihr Land, allerdings jeweils nur für ihr regionales Zuständigkeitsgebiet und nicht bundesweit. Zudem ist Ihr Land ja bekanntlich hochmotiviertes Mitglied und unverzichtbare Stütze der Europäischen Union, so dass Geschäfte mit dem Vereinigten Königreich eher selbstverständlich und leichter sein sollten, als dies beispielsweise mit China der Fall ist. Insgesamt bilden sich solche überregionalen Länderspezialisierungen insbesondere für Länder, die ausgewiesenes Expertenwissen bedürfen, das nicht an 80 Standorten bereitgestellt werden kann. Hinzukommen noch einige historisch gewachsene Schwerpunkte, beispielsweise von Ländern, die erst seit kürzerer Zeit in der EU sind.

Leider gehen bei den deutschen IHKs vergleichsweise wenige Anfragen zu Ihrem Land ein. Dies mag vielleicht auch an den bereits oben erwähnten gesunkenen formalen Anforderungen wie beispielsweise den fehlenden Zollvorschriften liegen.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihre völlig berechtigte Anfrage einigermaßen zufriedenstellend zu beantworten. Noch einmal vielen Dank für Ihre ausgesprochen nette Anfrage. Und hoffentlich bleibt Ihnen die Sonne in Cambridge noch lange gewogen.

Freundliche Grüße

Volker Scherer
Geschäftsführer
Geschäftsbereich International
Industrie- und Handelskammer für die Pfalz
"

Ich lächelte noch lange nachdem ich den Brief gelesen hatte. 

Aus professioneller Sicht sollte man sich natürlich im geschäftlichen Briefverkehr neutral halten, besonders da beim Briefwechsel mit vorerst unbekannten Gesprächspartnern einiges daneben gehen kann. Doch in diesem Falle lief die Ausnahme positiv aus. 

Ein bisschen Mensch sein ist gelegentlich beiderseits erlaubt.

Wednesday, 16 July 2014

Fahrrad und Arbeit in Cambridge im Juli

„Get on your bike!“ (im Sinne: „Nimm Dein Fahrrad um im breiteren Umfeld nach Arbeit zu suchen (du Faulpelz)“, Politiker Norman Tebbit) war in den 80er Jahren ein kontroverser Spruch während der damaligen Wirtschaftskrise. Nun haben wir mehr Arbeit und schauen stattdessen anderen beim Radfahren zu!

 Tour de France in Cambridge photo album
Tour de France peleton in Cambridge July 7 2014

Arbeitslosigkeit in Großbritannien erreichte heute einen neuen Tiefwert, mit 6,5 % oder ca. 2,12 Millionen Arbeitslose. Die oberflächlich gute Nachricht hat jedoch dunkle Untertöne. Preis Inflation stand im Juni bei 1,9 % aber es gab keine gleich starken Lohnsteigerungen in den letzten Monaten. Wir Briten arbeiten für weniger Geld und müssen mehr für unsere Lebenskosten zahlen.

Der dramatische Schwung gegen Europa in den britischen Wahlen zum Europaparlament hat seinen Einfluss auf Premierminister David Camerons Kabinettwechsel ausgeübt. Öffentliche Befürworter von Europa, wie Kenneth Clarke, sind ausgeschieden und eher Europa kritische Politiker, wie der neue Außenminister Philip Hammond, wurden eingeladen.

Heute (Mittwoch) werden wir sehen ob Lord Hill als neuer EU-Kommissar in Brüssel angenommen wird. Einerseits wird Lord Hill als Anti Europäer beschrieben, von rechts wird er eher als pro EU betrachtet. The Guardian und The Independent bezeichnen ihn als einen kompetenten Verhandler. Wir pro Europäer können nur hoffen.

Zu erfreulicheren Nachrichten, falls Sie es nicht wussten, die Tour de France verbrachte einen Tag in Cambridge. Mit meiner Kamera gerüstet, schlenderte ich schon früh in die Stadt hinein um die Leute, Feste, und Route anzuschauen. Trotz der 100.000 Besucher konnte man gut einen Platz an der Straße finden.

Nach einer erfrischenden Tasse Tee in Browns, gegenüber vom imposantem Fitzwilliam Museum, wanderte ich noch ein bisschen in südliche Richtung um einen guten Blickpunkt mit meiner Kamera zu haben. Zum Glück hatte ich die Karnevalskarawane auf dem Hinweg noch vor der Abfahrt gefunden, denn alles zischte im Hochtempo an den Zuschauern vorbei. Nach 2 Stunden Warten, unterbrochen von dem Jubel für jeden Polizisten der auf einem Motorrad vorbeifuhr, kam endlich das Peloton. Sieben automatische Klicks mit der Kamera - und es war vorbei! Doch wir Zuschauer haben die Atmosphäre eines einzigartigen Ereignisses in unserer kleinen Stadt genossen.

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