Showing posts with label Grossbritannien. Show all posts
Showing posts with label Grossbritannien. Show all posts

Wednesday, 16 April 2014

Englische wirtschafliche Dominanz im Vereinigten Königreich

Die neuesten Wirtschaftsdaten aus Großbritannien sind positiv. In diesem Bericht möchte ich nun einen Vergleich zwischen den verschiedenen Nationen im Vereinigten Königreich geben.

Der Aufstieg aus der britischen Rezession geht unaufhörlich weiter. Neuste Daten dieser Woche: Die Inflationsrate liegt nun bei 1,6% während zum ersten Mal Gehälter einen Aufstieg von 1,8% sehen. Trotz allem, gibt es viel nachzuholen in Großbritannien, denn seit der Wirtschaftskrise hat die Bevölkerung unter einem Gehaltsverlust von ungefähr £1600 gelitten.

In einem vergangenen Bericht sprach ich vom Nord-Süd-Gefälle im Vereinigten Königreich. Hier wird nun veranschaulicht wie Der Beitrag der verschiedenen Nationen ist, mit Import, Export und Anzahl von Betrieben. Die Zahlen stammen aus 2013 und 2011.


Alle Daten vom Office for National Statistics extrahiert.

Das Vereinigte Königreich exportierte Güter und Dienstleistungen zu einem Gesamtwert von fast £300 Milliarden. Importierte allerdings einen Wert von £407 Milliarden - also ein Handelsdefizit von über £107 Milliarden.

Die beiden folgenden Grafiken zeigen wieviel die einzelnen Nationen des Vereinigten Königreiches dazu beigetragen haben. Ein Teil der Importe und Exporte konnte keinem eindeutig Land zugewiesen werden und sind deshalb als unbekannt markiert (unknown).


Man sieht sofort wie England, mit 84%, den Import dominiert. Schottland, die zweitgrößte Nation, hat nur einen Anteil von 4%.

Beim Export sind Schottland und Wales etwas aktiver, jeweils mit 7% und 4%, doch England liegt wieder mit 74% an der Spitze.

Wenn man nun die Anzahl der registrierten Betriebe in den verschiedenen Nationen anschaut (2011), dann sieht man das mehr als vier Fünftel der Betriebe ihren Sitz in England haben (England 86%, Schottland 7%, Wales 4% und Nordirland 3%).

Die Briten ärgern sich wenn man Großbritannien einfach mit England verwechselt im Gespräch. (Besonders wenn man kein Engländer ist!)

Bei uns sind die einzelnen Nationen viel stärker in unserem Geist gegenwärtig. Die wirtschaftlichen Zahlen machen aber diesen leichten Fehler bei ausländischen Besuchern eher verständlich.

Tip: Äussern Sie aber nicht diese Tatsache mit Ihrem britischen Gesprächspartner! Kleine Nationen haben eine grosse Empfindlichkeit.

Thursday, 10 April 2014

Lebensmittelhandel, David und Goliath in Großbritannien

Die neuesten Zahlen über den Lebensmittelhandel im Vereinigten Königreich für das erste Quartal 2014. Es gab einen leichten Anstieg von 2 % zu einem gesamten Umsatz von £26 Milliarden. Der Lebensmittelhandel in Großbritannien wird bei 98 % von den Supermarktketten dominiert. Allein die großen vier, Tesco, Asda, Sainsbury‘s und Morrisons umfassen 76.20% des Marktes (Bild 1).

Bild 1. Anteil am britischen Lebensmittel Markt
Obwohl Sainsbury’s einen kleinen Wachstum im Vergleich zum letzten Jahr verspüren konnte, zeigten Tesco und Morrisons eher einen Rückgang (Bild 2). Dagegen hatten Aldi, Lidl und Farm Foods einen dramatischen Zulauf an Kunden im letzten Jahr.
Bild 2. Lebensmittelhandel UK Wachstum zwischen Quartal 1 von 2013 und Q1 von 2014

Obwohl unser Wirtschaftswachstum mit 2,9 % ganz oben liegt bei den Industrienationen und Optimismus zur Zukunft der britischen Wirtschaft in der Bevölkerung steigt, spürt man noch die Rezession im eigenen Portmonee. Gehälter und Einkommen sind in den letzten fünf Jahren gesunken während Lebensmittelpreise schneller als die Inflationsrate gestiegen sind. Der Konsument schaut sich um nach billigeren Angeboten.

Wie die großen Supermarktketten reagieren ist interessant. Tesco erweitert zurzeit seine Internetpräsenz und will mehr kleine Eckläden zu seinem Portfolio hinzufügen. Asda setzt auf Wachstum und will 16.000 neue Angestellte in den kommenden Jahren haben.

Die beiden großen können sich es leisten. Asda ist ein Teil von Walmart, Nummer eins im Einzelhandel weltweit und Tesco steht auf Platz vier. Wie der Lebensmittelhandel und der Einzelhandel in Großbritannien verbunden sind sieht man aus Bild 3. Die Namen der Firmen die im Lebensmittelhandel tätig sind, sind in rot markiert.



Top 25 UK Einzelhandel für 2013

Wir Briten werden also hauptsächlich weiter in unseren großen Supermärkten Lebensmittel einkaufen. Und wenn wir zum Eckladen gehen, dann ist es sehr wahrscheinlich dass er Teil einer großen Supermarktkette ist. Aber die kleinen Ketten holen auf!

Tuesday, 25 March 2014

Wirtschaft GB: Nord-Süd Gefälle und Knotenpunkt London

Wer sich ein bisschen länger mit Großbritannien befasst und gelegentlich beim Besuch die BBC Nachrichten zuhört, dem werden einige, oft-verwendete Ausdrücke eingeprägt. Es wird vom „North-South Divide“ (das Nord-Süd-Gefälle) gesprochen und London dominiert überhaupt in den Nachrichten.


Bevölkerungsdichte GB - Office for National Statistics 2011
Bevölkerungsdichte DE - Readers Digest Atlas

Eine Karte der Bevölkerungsdichte Großbritanniens zeigt vier geballte Gebiete. So schlimm sieht es gar nicht aus im Vergleich zu Deutschland. Im Südosten sitzt ganz deutlich London als ein Knoten. Auf halber Höhe zwischen Wales und der Wölbung von East Anglia findet man Birmingham, Wolverhampton und Coventry. Fast halbwegs hoch in der Mitte Großbritanniens gibt es die Ballung durch die Großstädte Liverpool, Manchester und Leeds. Dann geht es weiter hoch nach Schottland bevor man wieder eine dichtere Bevölkerung zwischen Glasgow und Edinburgh sieht.

Doch im englischen Sprachgebrauch wird schon angedeutet wie die Verhältnisse wirklich sind. Birmingham, nur 200 km von London, gilt nämlich als „Midlands“ - die Mittelländer. Liverpool und Manchester sind definitiv „Up North“, also im Norden. Und Schottland, tja, ist eben Schottland.

GB Mietkosten 3 Zimmerwohnung zu £550 pro Monat. Blau = erschwinglich, Braun = zu teuer. von BBC Seiten "Where can I afford to live"
DE Kaltmieten pro Quadratmeter. Von Scout 24 - Corporate Blog



Wenn wir uns nun die Mietpreise anschauen, dann sieht man ganz deutlich, es gibt einen sehr teuren Süden Englands (den sich viele nicht leisten können) im Vergleich zum Rest des Landes. Die Ausnahme sind die großen Ländereien im hohen Norden Schottlands. Da sind die Wohnkosten in Deutschland viel gleichmäßiger übers Land verteilt.

GB Autobahnnetzwerk. Chris Marshal 2001
DE Autobahnnetzwerk. Wikipedia

Nun zu London. Schaut man sich das britische Autobahnnetzwerk an, dann sticht London hervor als der Knotenpunkt des Landes. London, ein Fünftel der britischen Wirtschaft. Magnet für täglich 800.000 Pendler, von denen manche wirklich sogar vom (britischen) Norden herunterreisen. Dazu ist London auch noch das Finanz- und Regierungszentrum. Boris Johnson, London Mayor, zitiert oft dass das Bevölkerungswachstum der Hauptstadt einer vollen U-Bahn Ladung pro Tag entspricht.

Für deutsche Firmen die den britischen Markt anpeilen, sind deshalb London und der Süden oft das betörende Hauptziel.

Doch wer die Scheuklappen abzieht und nach Norden schaut, sieht auch dort Marktchancen und Lücken, kostengünstigere Anlagen und Angestellte.

Die Village People sangen vielleicht "Go West" in ihrem Schlager. Mein Vorshlag ist eher - "Go North"!

Wednesday, 23 January 2013

Camerons EU Rede – eine Meisterleistung


Schaden-freudige Journalisten und Politiker mit ihren markanten Sprüchen lästerten heute über die lang-erwartete Rede vom britischen Premierminister David Cameron. Großbritanniens Referendum zum Ausstieg aus der EU. War es die wirklich die Rede eines schwachen Premiers, der sich den radikalen Rechten seiner Partei beugen musste? Sind die abwegigen Briten wirklich auf der Reise aus der EU?

Als pro-europäischer Brite sehe ich das ganz anders.

Für unsere Politiker ist seit dem Abgang von Tony Blair in 2007 Europa ein unansprechbares Thema. Die Boulevardpresse hat keine Zeit über für Europa und übte, bis neuerdings, einen über starken Einfluss auf die Politik. Sich positiv über Europa zu äußern bedeutete möglichen politischen Selbstmord.

Dagegen steht natürlich die wirtschaftliche Realität. Und so arbeiten die jeweiligen Regierungen, ob links ob rechts, insgeheim stets als gute Europäer innerhalb der EU – solange man sich nicht vor der Kamera als pro-europäisch rechtfertigen musste,

Und so ist es, dass wenn ich meinen Lokalsender zuhöre, die Anrufe und Kommentare über Europa überwiegend negativ sind, obwohl  Wirtschaft der Region East of England zu über 60% mit der EU handelt und die Agrarindustrie von ihr unterstützt wird. Hinzu kommt das starke Gefühl dass bis jetzt den Wählern das Mitspracherecht zu Europa enthalten worden ist.

Aus dieser Sicht war David Camerons Rede eine Meisterleistung.

Die giftige Eiterbeule der unterdrückten Europadiskussion in GB wurde gestochen – die Waehler werden eine Entscheidung treffen können – allerdings erst  in 2018. Presse, Nachrichten und Politiker krähten entweder in Freude, Hohn oder kopfschüttelnd durch ganz GB und den Rest von Europa.

Aber zum ersten Mal erheben sich nun ernsthaft Stimmen in GB, aus der Wirtschaft und, viel wichtiger, von den Politikern gegen einen Austritt und für Europa. Die Debatte kann endlich wieder etwas Gleichgewicht gewinnen.

Weitgehend verschwiegen oder übersehen war - der weit größere Teil von Camerons Rede mit einer positiven Einstellung zu Europa*. Er äußerte sogar sein Begehren nach einem positives Ja zu einer Zukunft in Europa!

Cameron hat sich nun auch ein Mandat geschaffen offen in der EU mitzureden und kann versuchen mehr zentral einen Einfluss öffentlich auszuüben.

Hinter er Rhetorik schaute ich heute auf den Pfund-Euro Wechselkurs  eine kleine Senkung des Pfunds und dann Erholung. Die Börsen? Kein großes Absacken  des britischen FTSE,  deutschen DAX oder französischen CAC.

Wir haben fünf lautstarke, debitierende Jahre bis zum Volksentscheid – zum Vorteil Europas.


*Volltext David Camerons EU Rede des 23.1.13
http://www.guardian.co.uk/politics/2013/jan/23/david-cameron-eu-speech-referendum

Wednesday, 6 June 2012

Grossbritannien – Heute Geschlossen - fűr die Queen!



Ab Samstag Morgen, 2 Juni, lief die königliche Jubiläumsfeier in Grossbritannien laufend im Fernsehen - die Vorbereitung zur grössten Flotte auf der Themse zu Ehren der Queen und ihre 60 Jahre auf dem Thron; Interviews mit Leuten jung und alt, die zum Teil im Regen an ihren ergatterten Standort űbernachteten; Die Flottenparade unter Tower Bridge, die diesmal voll geöffnet wurde. Die Themsbarriere ist extra geschlossen worden damit der obere Teil des Flusses nicht von der Flut betroffen wurde und die kleineren Schiffe nicht von der sonst starken Strömung beinträchtig waren. Und alles im strömenden Regen.

Selbst als Republikaner setzte mann die Skepsis beiseite und ergötzte sich am Anblick der prunkvollsten königlichen Themsenfahrt seit mehreren Jahrhunderten.

Grossbritannien blieb noch fűr die nächsten zwei Arbeitstage geschlossen. Es gab das Popkonzert am Montag vor Buckingham Palast und Strassenparties űber die vier Tage. Zum Glűck gab es fast rundum die Uhr Berichterstattung fuer diejenigen von uns die Wetterscheu waren.

Die extra Feiertage sollen der GB Wirtschaft etliche Milliarden Pfund in verlorenen Geschäfte gekostet haben. Viele Briten nehmen diesen patriotischen Urlaub als Gelegenheit zu einem Ausflug, weg von der nassen Insel in die Sonne.

Hätte ein gewöhnlicher Politiker ein solches Spektakel zu einem anderen Anlass vorgeschlagen, wäre die volle Wucht der Presse und der öffentlichen Meinung dagegen aufgebraust – besonders in diesen harten Zeiten.

Doch der Zauber der Monarchie, die Einzigartigkeit eines 60-jaehrigen Jubiläums, sie ergaben ein ungewöhnliches Ereignis – eine nationale, nein, eine internationale Feier in den Ländern des Commonwealths, die ausnahmsweise frei war von dem Zynismus der sonst solche Feste in unserem Land schmälert.

Also durfte man bitte nicht vor Mittwoch den 5 Juni 2012 anrufen, Grossbritannien war bis dann geschlossen. Und das Video zu unserer Strassenparty kőnnen Sie oben sehen!

Tuesday, 29 May 2012

EU Cookie Richtlinien in DE wie GB bisher ignoriert

Dem Verbraucher, beziehungsweise dem Internetbesucher soll die Kontrolle ueber eigene Dateien wiederhergestellt werden. Daher der schwarze Balken, der fuer einige Besucher hoch oben auf meinen Internetseiten steht.

Die kleinen Code-Schnipsel, als Cookies bekannt, wurden still und munter ueber die Jahre auf unsere meist ahnungslosen PCs heruntergeladen.

Nun sind die EU Cookie Richtlinien am 25/26May 2012 in Kraft getreten und verlangen dass wir Europaeer auf unseren Internetseiten den Besucher beim ersten Besuch die Wahl geben ob er Cookies annimmt oder nicht.

In GB wie in DE herrscht allgemein ein grosses Schweigen zum Thema. Die meisten Firmen mit Internetpraesenz haben keine Massnahmen ergriffen. Die BBC ist eine der wenigen bei denen eine neue Nachricht auf den Internet-Besucher wartet und auf Cookie-Wahl deutet. Allerdings ist hier die Formulierung im Sinne von "Wenn Sie unsere Seiten weiter besuchen, nehmen wir an dass Sie unseren Cookies zugestimmt haben".

Milton Contact hat sich entschlossen auch seinen Besuchern die Wahl zu verdeutlichen. Unsere Seiten funktionieren zum groessten Teil auch ohne Cookies - bit man versucht einem Social-Media Link wie fuer Facebook von einer unserer Seiten zu verfolgen (Stand 28.05.12). Denn bei denen geht es ohne Cookies erst garnicht weiter.

Ich habe zwei verschiedene Firmen online gefunden die Loesungen fuer die Einstellung der Cookie-Wahl anbieten, www.CookieQ.com und www.civicuk.com. Vermutlich gibt es aehnliche Anbieter in Deutschland.

Wie haben Sie Sich denn entschieden? Brauchen Sie mehr Information? Einen weiteren Bericht zur deutschen Lage finden Sie hier: http://www.shopbetreiber-blog.de/2011/06/07/eu-cookie-richtlinie-was-bedeutet-der-fristablauf/

Monday, 19 March 2012

Bekleidungsregeln („Dress Code“) in England


Es ist traurig aber wahr, Großbritannien, eines der Modezentren Europas, zeigt einen Hang zum Konservativen, besonders was den eher geschäftlichen Dress Code angeht.

Der oft entspanntere Dress Code in Deutschland ist entweder farblich oder sonst abwechslungsreicher, z.B. dezenter Sakko mit ordentlichen Jeans in Farben außerhalb der grauen/blauen Farbpalette.
Businesswear

In GB gilt ein eher hierarchischer Dress Code 
  • Angestellte ohne direkten Kundenkontakt: können sich meistens leger kleiden, wenn die Firma keinen Dress Code festgelegt hat.
  • Angestellte mit Kundenkontakt: Wenn es keine Dienstkleidung gibt, dunkler Anzug mit weißem oder nicht zu auffällig gefärbtem Hemd und passende Krawatte. Frauen oft in Kostüm oder Hosenanzug.
  • Mittleres Management: Einfacher Anzug in grau oder blau, wobei dunkle Töne vorzuziehen sind, hellgrau möglich. Krawatte zum Hemd. Andere Variation ist ein Blazer mit grauer oder dunkelblauer Hose (Navy Blue) mit Bügelfalten. Als Frau genießen Sie sowohl bei Farbe als auch Auswahl der Kleidung mehr Freiheiten, solange es seriös aussieht.
  • Top Management: Konservative dunkle oder gestreifte dunkle Anzüge. Frauen tragen entsprechende Kleidung mit etwas mehr Wahlmöglichkeiten.
  • Super Management: Sie können tragen, was Sie wollen!
Natürlich gibt es Ausnahmen für diese „Regeln“: 
  • In der Modebranche ist die Kleidung abwechslungsreicher, da modische Kleidung branchentypisch ist
  • Auch Künstler haben mehr Freiheiten.
  • Wissenschaftlern widerstrebt es oft, Anzüge oder Sakkos anzuziehen, und man ist grundsätzlich sehr leger. Ausnahmen sind Firmenbesuche oder Professoren/Dozenten mit vielen Außenkontakten. Jemand im Business Dress in einer Uni fällt sofort als Vertreter einer Lieferfirma oder Industriefirma allgemein auf.
  • In handwerklichen Berufen ist die Grenze, wo ein Anzug oder wenigstens ein Blazer gebräuchlich ist, fließend. Hier wird noch die Unterscheidung zwischen „Kumpel“ und „Management“ durch die Kleidung ausgedrückt.
  • Freiberufliche Geschäftsführer von KMUs tragen meistens Anzüge oder Sakkos/Blazer mit gepflegten Hosen, Hemd mit Krawatte, wobei die Farbpalette hier nicht so streng ist. 
  • In den Chefetagen der Banken sind teure, maßgeschneiderte dunkle oder dezent gestreifte Anzüge, oft mit „Waistcoat“, ein absolutes Muss. Was könnte konservativer sein als viel Geld? :-)

Geschäftstreffen

Wenn Sie nicht schon vorher den Dress Code Ihres britischen Gesprächspartners kennen, tragen Sie am besten einen eher konservativen Anzug oder Blazer mit passender Hose in dunkelblau oder grau. Damit sind Sie sicher und können sich bei späteren Treffen mehr dem Partner anpassen.

Bei Seminaren oder Treffen außerhalb der Geschäftszeit ist der Dress Code entspannter, z.B. Sakko zur Hose, manchmal ohne Krawatte. Wenn die anderen total leger erscheinen, kann man sich einfach mit einem Lächeln entschuldigen und sagen, dass man nicht genau wusste, welcher Dress Code vorgesehen war.

Bei einem formellen Dinner wird oft vorher ein Dress Code angegeben. Wenn „Evening Dress“ verlangt wird, sollten Sie als Mann die Chance wahrnehmen wie James Bond im Smoking mit Fliege aufzutreten und als Frau ihr bestes langes Kleid tragen.

Smart Casual

Smart Casual besagt eigentlich „Wir wollen nicht so förmlich sein wie sonst, uns aber doch ein bisschen Mühe mit der Bekleidung geben.“
Sakko bzw. Blazer zu einer gepflegten Hose mit Bügelfalte (am besten keine Jeans). Eine Krawatte ist nicht unbedingt notwendig, auch farblich haben Sie viel mehr Freiheit. Ohne Jacket geht auch, solange es aussieht, als ob man sich ein bisschen Mühe gegeben hat. Frauen genießen wieder wesentlich mehr Freiheiten hinsichtlich der Farben und Kombinationen.

Die allgemeine Regel

Wenn Sie wegen des Dress Codes  bei einem Treffen oder einer Veranstaltung unsicher sind, ziehen Sie einfach einen Anzug oder Sakko mit passender Hose in grau oder dunkelblau an, Hemd und Krawatte als Mann. Als Frau kommen Sie mit einem Blazer und dezenter Bekleidung in nicht zu auffälligen Farben zurecht.

Es ist immer besser, ein wenig „overdressed“ zu sein als zu leger. Eine Krawatte und ein Sakko können abgelegt werden, wenn Sie auf einen entspannteren Dress Code treffen.

Widerstand gegen Anzug und Jacke

Eine weitere Bemerkung dazu, wie die Briten ihre Anzüge und Blazer tragen.

Viele von uns mussten Schuluniformen tragen. Erfinderisch und rebellisch, wie die Jugend oft ist, ging es daran, die Grenzen der Uniform auszutesten. Die Krawatten wurden locker oder zu kurz gebunden, oft mit offenem Kragen. Hemden hingen absichtlich halb aus der Hose.

Ein guter Teil der Schulabgänger wollen dann keine „spießigen“ Uniformen mehr tragen. Ich selbst habe erst wieder bewusst Krawatte und Sakko zur Arbeit getragen, als ich, etliche Jahre nach Studium und Forschung im Labor, ins Management kam.

Wenn Sie nun nach Großbritannien kommen, durch das Land reisen und eine freie Minute haben, beobachten Sie die Leute, die Sie Treffen oder während der Reise sehen. Mit der Zeit bekommen Sie ein Gespür für die Kleidungshierarchie und die Einstellung des Anzugträgers zur eigenen Bekleidung; ob sie sich stolz im Blazer präsentieren oder einfach ihre Berufsbekleidung tragen. Viel Spaß dabei!

Ich bedanke mich bei Angelika Mix für die sprachgerechte Textbearbeitung in deutsch :-)

Wednesday, 14 March 2012

Begruessung und Kennenlernen in Grossbritannien

Ich wurde darauf angesprochen, wie man sich beim Kennenlernen in Großbritannien richtig verhält und welche Gesprächsthemen als unverfänglich gelten. Hier ein paar hilfreiche Tipps.

Heute üblich bei Begrüßung und Abschied

Wir Briten sind inzwischen etwas verwirrt, weil es anscheinend keine festen Regeln mehr gibt. Manche begrüßen einander einfach wörtlich, dabei sind
„Hello, how are you“ oder „Pleased to meet you“ gebräuchliche Floskeln. Andere geben sich dabei die Hand.

Begegnungen mit Bekannten des anderen Geschlechts sind noch ein wenig komplizierter, denn hier hat sich teilweise der Wangen-Luftkuss eingeschlichen - oft weiß man allerdings nicht, ob man nur eine Wange küssen soll oder beide.

Auch beim Abschied gibt es zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, aber immerhin kann man alle folgenden Wendungen benutzen:
„See you soon“
„Keep in touch“
“It was lovely to meet you”
“Good to have met”
“I really enjoyed our meeting”
“I look forward to hearing from you”

Der Vorteil, deutsch zu sein

Verhalten Sie sich wie in Deutschland und geben Sie bei Begrüßung und Abschied einfach die Hand. Die automatische Reaktion ist dann, darauf einzugehen, da Sie die Initiative übernommen haben. Sie haben Ihrem Gegenüber die Entscheidung abgenommen und ihm das Leben dadurch etwas erleichtert.
Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich wegen Ihres sicheren Verhaltens besser an Sie erinnern wird.
Bei einer großen Gruppe  ist es durchaus erlaubt, sich mit einem einfachen Gruss ohne Handschlag zu verabschieden„It was good to meet you all. Thank you, Bye“.

Einleitung eines Geschäftsgesprächs

Für Deutsche kann es manchmal verwirrend sein, dass wir Briten ein Thema nicht so direkt anpacken oder auch bei Geschäftstreffen eher über Banalitäten zu reden scheinen.

In Deutschland wird dies manchmal Smalltalk genannt, eine irreführende Bezeichnung, ist weil sie ein wenig abwertend klingt.

Der britische Begriff ist „Networking“. Ein guter „Networker“ benutzt Ohren und Mund im gleichen Verhältnis zu ihrer Anzahl, das heißt, mehr zuhören als reden.

Denn auch im Geschäftsleben ist das allgemeine Gespräch beim Treffen sehr wichtig, man lernt die andere Person und ihre Persönlichkeit hierdurch besser kennen und kann sich eine Meinung bilden, z.B.: „Kann ich mir eine Geschäftsbeziehung mit diesem Menschen vorstellen?“

Dabei stellt man seine eigene Leistung oder die eigenen Produkte nicht in den Vordergrund. Sie werden im passenden Moment unaufdringlich ins Gespräch eingebracht.

Wenn es sehr wichtig ist, ein geschäftliches Thema direkt anzusprechen, lassen sie erst das allgemeine Gespräch für ein paar Minuten laufen und leiten Sie dann zum Thema über, z.B. durch
„Apologies if I interrupt. Would you mind if we could talk about (Thema X)?”

Allgemein Themen beim Networking

Verhalten Sie sich einfach höflich und äußern dabei keine kritischen oder extremen Ansichten. Briten sind zum größten Teil sehr höflich und weichen direkten kritischen Bemerkungen aus, bis man sich besser kennt.

Sehr wichtig ist es, diskriminierende Äußerungen, zum Beispiel über Geschlecht, Rasse, Sexualität oder Behinderungen, zu unterlassen. Auch wenn andere solche Themen aufbringen, gehen Sie nicht darauf ein und äußern sich lieber neutral – denn sonst laufen Sie Gefahr, Ihren Gesprächspartner abzustoßen und machen sich womöglich sogar strafbar. Diskriminierung wird in Großbritannien sehr ernst genommen.

Themen, die man ansprechen kann, sind

  • Woher kommen Sie? (Where do you come from?)
  • Was machen Sie beruflich? (What do you do?)
  • Was für Interessen haben Sie? (What do you do in your spare time?)
  • Haben Sie Familie? (Do you have family?)
  • Hatten Sie Urlaub dieses Jahr? (Did you/have you had a holiday recently? Oder “Been anywhere interesting lately?”)

Wenn Sie solche Gespräche bewusst führen, werden Sie feststellen, wie viele Information Sie über Ihren Gesprächspartner bekommen und wie viel leichter Ihre Zusammenarbeit wird.

Ich bedanke mich bei Angelika Mix für die sprachgerechte Textbearbeitung in deutsch :-)

Wednesday, 21 December 2011

Warum konnte Cameron nicht Großbritannien zum Euro bringen und was bedeutet es für die EU?


Dies ist eine britische Perspektive zu Camerons Alleingang und warum er unvermeidlich war. Die einfache Antwort ist, es wäre politischer Selbstmord gewesen, für Cameron und die regierende Koalition. Die Hintergründe sind natürlich etwas komplizierter.

Europa – das heiße Eisen
Europa war schon vor Großbritanniens Eintritt in die EU ein umstrittenes Thema. Aus reiner wirtschaftlicher Sicht aber war der Eintritt unumgänglich. In den Dreißig Jahren seit Thatcher haben wir uns von das ständig streikende, dritt-ärmste Mitglied der EU, in das dritt-reichste Land der EU verwandelt.

Politisch war es aber problematisch pro-europäische Äußerungen zu sehr zum Ausdruck zu bringen. Weil man lieber das Thema mied, wurde es immer schwieriger positives über Europa zu äußern. Nur die Liberalen wagten es offen zu tun.

Einfluss der Presse
Die Zeitungspresse hatte dagegen keine Hemmnisse über Europa zu reden. Was macht am besten Schlagzeilen? Schlechte, oder noch besser, skurrile Nachrichten haben einfach mehr Schlagkraft als die Guten. Hinzu kommt eine erstaunlich erfinderische Ader neuer Mythen, über sinnlose Gesetze und Regelungen die dem armen britischen Volk von Brüssel aufgezwungen werden sollen. Allein in den letzten Monaten hatten wir:

  • EU Flaggen-Zwang auf Trikots der englischen Footballmannschaft (Daily Mail 11/11/11)
  • Neue EU Regelung wird das Aufblasen von Party-Ballons durch Kinder verbieten (Daily Telegraph, 9.10.11)
  • Verrückte EU Regel für kältere Kühlschränke wird uns £100m kosten (Daily Mail 12.12.11)

Skepsis gegen Autorität 
Einerseits sind die Briten weltoffen und tolerant. Dagegen steht eine starke Spur von Individualismus und ein gesundes Misstrauen der Autorität gegenüber, besonders wenn dies die eigene Freiheit einschränken könnte. Wenn dann noch die Möglichen Schranken, Regeln, Gesetze von außerhalb kommen, gibt es eine heftige Gegenreaktion.  Dies ist auch wirtschaftlich der Fall für große und kleine Firmen die alleine gelassen werden wollen.

Der Trend in GB ist zur Verteilung der Macht von der Mitte nach außen, zurück zu den Nationen und ihre Regionen. Weniger, nicht mehr Regelung wird angestrebt.

Das Ergebnis
Keine starke pro-europäische Stimmen, eine ständige Flut von kontra-europäischen Nachrichten und eine natürliche Skepsis der Autorität gegenüber. Das ergibt eine öffentliche Meinung die weitgehend die EU mit Misstrauen  betrachtet. Sie wollen nicht mehr übernationale Einschränkungen sondern mehr örtliche Selbstbestimmung.

Politisch sind unsere nationalen Abgeordneten direkt mit der Wählerschaft verbunden. Wir haben ein „One Man One Vote“ System. Damit sind die Politiker besonders empfindlich für die Meinungen Ihrer Ihrer Wähler. Das zieht dann höher ins regierende „Cabinet“ der Minister mit.

Der Widerspruch
Da sitzen wir nun mit Politikern, denen sehr bewusst ist, dass 60% der britischen Wirtschaft eng an den Mitgliedern der EU verbunden ist. Sie können aber keine stark-positive Äußerungen zur EU von sich geben. Die Konservativen sind hier noch konservativer!

Cameron hatte keine Wahl
Cameron wurde in einer Situation versetzt wo mehr Zusammenarbeit mit weitere Einschränkung der nationalen Entscheidungsfähigkeit verlangt wurde. Hinzu sollte ungeklärte Summen zur unterstützen des Euros versprochen werden, als Land außerhalb des Euros?

Hätte Cameron zugesagt, dann wäre seine Position daheim nicht mehr zumutbar. Die Regierung wäre gestürzt und die britische Wirtschaft wieder abgesackt.

Die letzten zwei Wochen weisen darauf hin dass Cameron die richtige Entscheidung getroffen hat im weiteren europäischen Sinn. Trotz große Sprüche zur Euro-Einheit haben die anderen Mitglieder sich noch davon abgehalten die Riesensummen (Billionen) ihrer eigenen Reserven zur Unterstützung des Euros zu verwenden. Eine Konsequenz - Das Pfund steigt gegen den Euro.

Nach der anti-britischen Hysterie kommt die realistischere Einstellung – GB ist einer der Haupt-Finanzierer der EU. Wir sollten auch wieder am Gesprächstisch sein.

Was wir nun in Großbritannien brauchen ist eine offenere Diskussion über den wahren Wert mit unseren europäischen Partnern zusammenzuarbeiten.

Monday, 19 December 2011

Warum Rotkehlchen und Stechpalme und weiteres zu Weihnachten



Das Senden von Weihnachtskarten ist eine Viktorianische Erfindung, die durch diese Elemente entstand.

Sir Henry Cole war eng mit der Einführung der „Penny Post“, der ersten Briefmarken-Post, 1840 verbunden.

Bereits 1843 ließ er einen Satz von 2050 Weihnachtskarten mit einem Bild von John Callcott Horsley drucken. Seit dem ist das Senden von Weihnachtskarten in Großbritannien zur Tradition geworden.

Rotkehlchen, sowie Stechpalmenzweige mit roten Beeren sind seit langem traditionelle Symbole für Weihnachten in GB. Warum?

  1. Rotkehlchen zählen zu den auffälligsten überwinternden Vögeln auf der Insel. 
  2. Einer Sage ist, dass ein Rotkehlchen auf dem Haupt von Christus landete und versuchte den Dornenkranz zu entfernen, wobei der Vogel seine Brust mit Blut bespritzte. 
  3. Victorianische Postboten trugen rote Jacken und lieferten auch Briefe am Weihnachtstag; Sie wurden deshalb liebevoll als „Robins“ bekannt. 
Stechpalmen haben eine lange Tradition – sie wurden schon mit dem römischen Fest der Saturnalien verbunden. Die Kelten benutzten Stechpalmenzweige zum Schutz ihrer Wohnungen gegen böse Geister. Man nimmt an, dass sie später wegen der Ähnlichkeit zu Dornen und Bluttropfen als Christliche Symbole übernommen wurden.

Wir Briten bedanken uns bei den Deutschen für die Einführung des Weihnachtsbaumes durch Königin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, Gemahlin von George III, Anfang des 19 Jahrhunderts.
Google